Agenda Aktuell

Studie: Deutschland braucht 400.000 neue Wohnungen pro Jahr

Der Wohnungsneubau steht demnach vor einer enormen Herausforderung. Ein Hauptgrund dafür sind die rasant wachsenden Flüchtlingszahlen, aber auch der bestehende Nachholbedarf, der starke Zuzug in die Städte und die Zuwanderung aus der EU. Deutschland schiebt ein „riesiges Wohnungsdefizit“ vor sich her, das von Jahr zu Jahr größer geworden ist. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts sind seit 2009 rund 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. Konkret müssen in Deutschland bis zum Jahr 2020 jährlich rund 140.000 Mietwohnungen mehr als in diesem Jahr gebaut werden – davon 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Wohnungseinheiten im bezahlbaren Wohnungsbau. Hier hat es in den vergangenen Jahren enorme Versäumnisse der Wohnungsbaupolitik gegeben, so das Verbändebündnis „Sozialer Wohnungsbau“.

Um dem Wohnungsmangel wirkungsvoll zu begegnen, ist ein tatsächlicher Neustart des sozialen Wohnungsbaus zwingend notwendig. Damit dieser gelingt, muß es sowohl für genossenschaftliche und öffentliche Wohnungsunternehmen als auch für private Investoren wirkungsvolle Anreize geben, fordert das Verbändebündnis “Sozialer Wohnungsbau“. Dazu schlägt das Pestel-Institut Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Unternehmen vor, sowie steuerliche, zeitlich begrenzte Vergünstigungen (beispielsweise die Wiedereinführung der Sonderabschreibung nach § 7k des Einkommenssteuergesetzes) für private Investoren. Damit kann der Neubau von Sozialmietwohnungen regional gezielt angekurbelt werden.

Neben dem Neustart des sozialen Wohnungsbaus ist die Schaffung von mehr bezahlbaren Wohnungen in Ballungsgebieten für Haushalte mit mittleren Einkommen dringend notwendig. Hierfür sind ebenfalls bessere steuerliche Anreize notwendig, insbesondere eine sachgerechte Erhöhung der Abschreibung (AfA auf 3 Prozent) die sich aus der der wiederholten Verschärfung der EnEV für Wohngebäude ergibt. Eine zusätzliche Sonder-AfA in Höhe von einem Prozent für bezahlbaren Wohnungsneubau ist gerade in Regionen mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt dringend geboten.

„Eine Grundvoraussetzung für den erforderlichen Wohnungsneubau ist jedoch die umfassende Ausweisung von Bauflächen in Ballungszentren durch die Kommunen, – und das nicht nur in homöopathischen Dosen, nur für bestimmte Marktteilnehmer oder zu Höchstpreisen“, betont BFW-Präsident Andreas Ibel. „Hier sind Bund, Länder und Kommunen gefordert. Die Baulandpreis-Rallye muss ein Ende haben!“

Die Kurzstudie steht hier zum Download bereit:

Kurzfassung: Pestel-Studie zum Sozialen Wohnungsbau pdf Datei ansehen —  Datei herunterladen


Die Reform der Erbschaftsteuer

An keiner Stelle im Urteilstext steht, dass die Unternehmen stärker zu belasten oder gar die Erbschaftsteuer zu erhöhen sei. All diesen Vorgaben wird der Gesetzentwurf nicht gerecht, weil er die Erben gewerblich geprägter, bestandshaltender Immobilienunternehmen vollständig von der Möglichkeit der Begünstigung übertragenen betrieblichen Vermögens ausnimmt. Die Gesetzesbegründung geht sogar so weit, diese Herausnahme zu verschleiern, indem fälschlicherweise behauptet wird, die Regelung zum Adressatenkreis entspräche inhaltlich dem bisherigen § 13b Absatz 1 Nummer 2 ErbStG. Dabei entspricht der politische Wille, der in der Entwurfsbegründung geäußert wird, entspricht keineswegs einer Herausnahme der Verschonung. So heißt es dort: „Die Sicherung der in den übergehenden Unternehmen vorhandenen Beschäftigung und die Bewahrung der typischen deutschen Unternehmerlandschaft machen es erforderlich, die Unternehmensnachfolge in Erb- und Schenkungsfällen in den vom Bundesverfassungsgericht im Urteil vom 17. Dezember 2014 (1 BvL 21/12) aufgezeigten Grenzen zu erleichtern.“

Die Stellungsnahme des BFW skizziert die Ungleichbehandlung der Immobilienunternehmen im Referentenentwurf und verdeutlicht die Notwendigkeit einer Verschonung gewerblich geprägter Immobilienunternehmen.

BFW-Stellungnahme zum ErbSt-Referentenentwurf pdf Datei ansehen —  Datei herunterladen

Prof. Dr. Karl-Georg Loritz der Universität Bayreuth arbeitet in seiner Stellungnahme heraus, dass der nun vorgelegte Referentenentwurf zu einer neuen Verfassungswidrigkeit des Gesetzes führen würde.

Karl-Georg Loritz: Erschaftsteuerreform und Immobilienwirtschaft pdf Datei ansehen —  Datei herunterladen

 


10. Deutscher Immobilien Kongress in Berlin

Andreas Ibel, Staatssekretär Gunther Adler, Thomas Meier

Rund 450 Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutierten beim 10. Deutschen Immobilien Kongress am 7. Mai in Berlin über Themen, die die Immobilienwirtschaft bewegen. Der Kongress, der vom Staatssekretär im Bundesbauministerium Gunther Adler eröffnet wurde, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Immobilienwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Qualität, Quantität und Kosten“.

In seiner Eröffnungsrede beschrieb BFW-Präsident Andreas Ibel dieses Spannungsfeld mit der Forderung nach bezahlbarem neuen Wohnraum in einem Umfeld, welches durch einen hohen qualitativen Anspruch geprägt ist und gleichzeitig schonend mit der Inanspruchnahme von Ressourcen (Fläche, Energie, Investitionskosten und Fördergelder) umgehen will. Ibel identifizierte insbesondere den Staat als Kostentreiber beim Wohnungsbau. Er warnte: “Die mittelständische Immobilienwirtschaft will und muss für alle Bevölkerungsschichten Wohnungen zum Kauf und zur Miete anbieten können. Wir sind regional verankert und bauen für regionale Märkte. Es sind die Mitgliedsunternehmen des BFW, es ist der Mittelstand, der für 50 Prozent des Wohnungsneubaus und für 30 Prozent des Neubaus von Gewerbeimmobilien in Deutschland verantwortlich sind – langfristig und nachhaltig. Wenn Immobilien für den niedrig- und mittelpreisigen Markt nicht mehr erreichbar sind, kann dies auf Dauer von keinem Treiber aufgefangen werden – auch nicht durch Kapitalzufluss, der auf den niedrigen Zinsen basiert.”

Dass die hohe Bautätigkeit primär durch niedrige Zinsen und die potenziellen Erträge im höherpreisigen Wohnsegment gestützt ist, wies André Adami, Geschäftsführer der bulwiengesa AG, nach, als er wesentliche Ergebnisse der mittlerweile neunten bulwiengesa-Projektentwicklerstudie exklusiv präsentierte.

In vier Fachforen zu den Themen Bautechnik, Steuern, Quartiersentwicklung und Markt tauschten sich Experten aus Politik und Wirtschaft über die Auswirkungen der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Nähere Informationen hierzu finden Sie unter den Links in unserer Rubrik “Handlungsfelder”.


Schallschutz und erhöhter Schallschutz

Der BFW ist an der Neufassung der Schallschutznorm DIN 4109 beteiligt. Deren Inkraſttreten könnte, je nach Einspruchsbehandlung, noch 2015 erfolgen. Bereits jetzt ist absehbar: Hinweise für den „erhöhten Schallschutz“ werden nicht mehr enthalten sein. Die neugefasste VDI-Richtlinie wird vom BFW und einer breiten Mehrheit der „Wertschöpfungskette Bau“ als praxisfern, kostensteigernd und haſtungsträchtig abgelehnt. Der BFW hat sich deshalb gemeinsam mit den anderen Verbänden an einem vom DIN angebotenen vereinfachten Weg beteiligt, Empfehlungen zum erhöhten Schallschutz in Form einer sogenannten DIN SPEC PAS zu erarbeiten. Dieses Verfahren ist auf einem guten Weg, so dass spätestens gleichzeitig mit einer DIN-Neufassung auch diese Empfehlungen wirksam werden können. Dadurch würde dieses technische Segment endlich wieder auf eine verlässliche Basis gestellt.


Baukostenentwicklung

Der Wohnungsneubau wird immer teurer – und das Kostenrisiko für die Immobilienunternehmen zunehmend größer. Das zeigt die Studie „Kostentreiber für den Wohnungsbau“ des Verbändebündnisses Wohnungsbau, welchem auch der BFW als Interessenvertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft angehört. Kostentreiber Nummer eins ist dabei der Staat. Während zwischen 2000 und 2014 die Baupreisentwicklung im Wohnungsbau mit einem Anstieg von ca. 27 % ungefähr auf dem Niveau der Entwicklung der Lebenshaltungskosten lag, fiel die Entwicklung der gesamten Gestehungskosten im gleichen Zeitraum mit fast 40 % Steigerung deutlich höher aus. Mehr als die Hälfte des gesamten Kostenanstieges von 2000 bis 2014 resultiert dabei aus geänderten steuerlichen und baurechtlichen Regelungen von Bund und Ländern, immer umfassenderen kommunalen Auflagen sowie aus der Entwicklung der Baulandpreise.

Auszug: Kostentreiber für den Wohnungsbau

Auszug: Kostentreiber für den Wohnungsbau