Corona: Nachfrageeinbruch bei Baukrediten

Die Corona-Pandemie zeigt mittlerweile auch spürbare Auswirkungen im Kreditgeschäft. „Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten geht erstmalig seit 2017 zurück“, schreibt die Bundesbank in ihrer vierteljährlichen Umfrage zum Kreditgeschäft der Banken in Deutschland. Allerdings fiel der Nachfragerückgang in der privaten Immobilienfinanzierung der Umfrage zufolge nicht ganz so massiv aus, wie Experten noch im Frühjahr befürchteten. Der Anteil der Banken, die einen Rückgang beobachteten, lag um 29 Prozentpunkte über dem Anteil derjenigen, die einen Zuwachs vermeldeten. Im April prognostizierten die Banken noch zu 59 Prozent einen Rückgang. Im Ergebnis ist das Interesse an Baufinanzierungen somit im ersten vollen Corona-Quartal so massiv gesunken wie seit zehn Jahren nicht mehr, wobei die Mehrheit der Kreditinstitute von einem weiteren Rückgang ausgeht. Wichtigster Grund sei das gesunkene Verbrauchervertrauen. Aber nicht nur die Kunden, auch die Banker agieren wegen der Corona-Krise vorsichtiger. Erstmals seit 2016 wurden Kreditrichtlinien verschärft. Das Lager der restriktiveren Banken ist um ca. 20 Prozent größer als das der lockernden Banken. Als Gründe hierfür werden insbesondere die eingetrübten Konjunkturaussichten und die zu erwartende Preisentwicklung für Wohneigentum genannt. Auch die Anzahl abgelehnter Wohnungsbaukredite ist gestiegen: 11 Prozent der Banken geben an, dass sie mehr Kredite abgelehnt haben als in den drei Monaten zuvor. Ein ähnliches Bild ergebe sich bei Konsumentenkrediten. 27 Prozent der Banken lehnten mehr Konsumentenkredite ab als noch im Vorquartal. Auch hier hat neben den Konjunkturaussichten ein pessimistischerer Blick auf die Kreditwürdigkeit der Kunden maßgeblichen Einfluss. 

Merklicher Unterschied zeigt sich in der Nachfrage im Bereich von Unternehmensfinanzierungen. Die Nachfrage ist enorm hoch und wird es nach Einschätzung von Banken auch im nächsten Quartal bleiben. Dass die Zahl der abgelehnten Kreditanträge nur geringfügig angestiegen ist, dürfte nicht zuletzt an den Hilfsprogrammen der staatlichen Förderbank KfW liegen, bei denen der Staat größtenteils die Haftung übernimmt. Banken zeigen sich in ihrer Risikobereitschaft begrenzt, haben sowohl ihre Kreditvergabestandards verschärft als auch ihre Konditionen für gewährte Darlehen verschlechtert. Das deckt sich mit den Ergebnissen der „KfW-Ifo-Kredithürde“, die Unternehmen dazu befragt, wie schwer es ist, an Kredite zu kommen. Dieser Indikator ist im zweiten Quartal auf den höchsten Wert seit 2017 gestiegen. Nach Angaben der KfW hätten mehr als ein Fünftel der Mittelständler angegeben, dass Banken sich in den Kreditverhandlungen im zweiten Quartal restriktiv gezeigt hätten. Aber auch Großunternehmen sahen sich mit „deutlich wachsenden Hindernissen“ bei der Kreditvergabe konfrontiert.

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