Statik

Normung aktuell: BFW-Stellungnahme zur Deutschen Normungsstrategie 2020

Das DIN erarbeitet derzeit die „Deutsche Normungsstrategie 2020“, eine Art Handlungsrahmen für die Normungsarbeit bis 2020. Die diesbezüglichen Ziele hat das DIN am 03.11.2016 beschlossen und eine Langfassung der Deutschen Normungsstrategie zur öffentlichen Diskussion gestellt. Der BFW ist als Vertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft aktiv am Konsultationsprozess beteiligt und hat am 31.01.2017 auch zur Langfassung der Deutschen Normungsstrategie 2020 eine Stellungnahme für den BFW und im Rahmen der BID abgegeben.

Hintergrund:

Ziel der Normung ist es, unter Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen eine möglichst gute, einfache und kostengünstige Lösung für die Baupraxis zu finden. Demgegenüber haben sich jedoch aufgrund der derzeit unzureichenden gesamtwirtschaftlichen Folgenbetrachtung in den  Normungsverfahren und aufgrund der Dominanz von Interessenvertretern und der Wissenschaft  Komfortansprüche entwickelt, die sich auch in überhöhten Anforderungen des Bauordnungsrechtes widerspiegeln. Die Folgen daraus sind über 3.300 Baunormen (DIN, EN, ISO), ca. 1.500 Richtlinien, mehr als 500 Merkblätter, Arbeitshilfen u. ä. sowie eine Vielzahl produktspezifischer Einzelregelungen, wie zum Beispiel ca. 7.000 allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen und Produktdatenblätter. Hieraus ergeben sich zusätzlich erhebliche zivilrechtliche Haftungsrisiken.

Kritik:

  • Unzureichende Transparenz in den Normungsprozessen
  • Immer kürzere Überarbeitungszyklen
  • Hohe Komplexität und Verwissenschaftlichung der Normen
  • Unzureichende Nachvollziehbarkeit der Regeln für die Baupraxis

Forderungen der mittelständischen Immobilienwirtschaft

  • Praxiskonformität ist sicherzustellen. Gute, einfache und kostengünstige Standards für die Baupraxis sind hierbei der Maßstab.
  • Wirtschaftliche und soziale Auswirkung von Normung sind in einer Folgenbetrachtung vorab zu prüfen.
  • Auswirkungen auf die Baukosten und die Investitionstätigkeit der Immobilienwirtschaft sind angemessen zu berücksichtigen.
  • Sicherheitsniveaus müssen auf die Gefahrenabwehr beschränkt werden.
  • Anwender der Normen sind im Normungsprozess angemessen zu beteiligen.

Deutscher Bausachverständigentag gegründet

Am 05.12.2016 wurde der Verein Deutscher Bausachverständigentag e.V (DBST) gegründet. Der BFW ist eines der Gründungsmitglieder. Frank Vierkötter, BFW-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender der Interhomes AG, vertritt den BFW im Vorstand.

Vereinszweck ist die Beurteilung, ob neue DIN- Normen, ISO-Normen u.a. technische Normen als allgemein anerkannte Regeln der Technik angesehen werden können; für BFW- Mitglieder ein Mehrwert für die bautechnische und juristische Beratungstätigkeit. In Anbetracht der zur Zeit übermäßig interessengetriebenen Normung im DIN und CEN eröffnet sich für den DBST die Möglichkeit, als unabhängige Kontrollinstanz von Normungsverfahren zu agieren.

 


DIN: Deutsche Normungsstrategie 2020 beschlossen

Das DIN hat  die „Deutsche Normungsstrategie 2020“erarbeitet, eine Art Handlungsrahmen für die Normungsarbeit bis 2020. Der BFW hat sich  als Vertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft aktiv beteiligt. Die Deutsche Normungsstrategie wurde nunmehr vom DIN-Präsidium in seiner Sitzung am 3. November 2016 angenommen.


DIN: Deutsche Normungsstrategie 2020

Das DIN erarbeitet derzeit die „Deutsche Normungsstrategie 2020“, eine Art Handlungsrahmen für die Normungsarbeit bis 2020. Der BFW ist als Vertreter der mittelständischen Immobilienwirtschaft aktiv beteiligt. Die Beschlussfassung im DIN ist für den 03.11.2016 vorgesehen.

Hintergrund:

Ziel der Normung ist es, unter Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen eine möglichst gute, einfache und kostengünstige Lösung für die Baupraxis zu finden. Demgegenüber haben sich jedoch aufgrund der derzeit unzureichenden gesamtwirtschaftlichen Folgenbetrachtung in den  Normungsverfahren und aufgrund der Dominanz von Interessenvertretern und der Wissenschaft  Komfortansprüche entwickelt, die sich auch in überhöhten Anforderungen des Bauordnungsrechtes widerspiegeln. Die Folgen daraus sind über 3.300 Baunormen (DIN, EN, ISO), ca. 1.500 Richtlinien, mehr als 500 Merkblätter, Arbeitshilfen u. ä. sowie eine Vielzahl produktspezifischer Einzelregelungen, wie zum Beispiel ca. 7.000 allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen und Produktdatenblätter. Hieraus ergeben sich zusätzlich erhebliche zivilrechtliche Haftungsrisiken.

Kritik:

Die damit einhergehenden Probleme lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Unzureichende Transparenz in den Normungsprozessen
  • Immer kürzere Überarbeitungszyklen
  • Hohe Komplexität und Verwissenschaftlichung der Normen
  • Unzureichende Nachvollziehbarkeit der Regeln für die Baupraxis

Diesen Fehlentwicklungen muss durch die Deutsche Normungsstrategie 2020 entgegengewirkt werden, um das Vertrauen der Immobilienwirtschaft in die Standards der DIN-Normung wiederherzustellen.

Forderungen der mittelständischen Immobilienwirtschaft

  • Praxiskonformität ist sicherzustellen. Gute, einfache und kostengünstige Standards für die Baupraxis sind hierbei der Maßstab.
  • Wirtschaftliche und soziale Auswirkung von Normung sind in einer Folgenbetrachtung vorab zu prüfen.
  • Auswirkungen auf die Baukosten und die Investitionstätigkeit der Immobilienwirtschaft sind angemessen zu berücksichtigen.
  • Sicherheitsniveaus müssen auf die Gefahrenabwehr beschränkt werden.
  • Anwender der Normen sind im Normungsprozess angemessen zu beteiligen.

 


Eurocodes als Europäische Normen für Statik in nationales Recht eingeführt

Die Eurocodes haben die bisherigen DIN-Normen abgelöst und wurden zum 1. Juli 2012  in den Bundesländern verbindlich als Technische Baubestimmung eingeführt. Der BFW hat hier auf die erheblichen praktischen und rechtlichen Probleme und Haftungsrisiken hingewiesen. Gemeinsam mit den BFW- Landesverbänden konnten auf Landesebene Teilerfolge erzielt werden. So werden in Bayern, Hessen Bremen und Niedersachsen die bislang gültigen DIN-Normen für eine Übergangszeit als gleichwertig anerkannt.  Der BFW tritt weiter für seine Forderung nach praktikablen Normen ein, die qualitätsgerechtes Bauen sichern.

Die praktischen und rechtlichen Kritikpunkte im Überblick:

  • Unvollständigkeit
    Die nationalen Anhänge liegen nach wie vor nur unvollständig vor. Es finden sich in den veröffentlichen Stellungnahmen keine Hinweise oder Lösungen, wie mit dieser Unvollständigkeit umgegangen werden soll. Die Vollständigkeit der nationalen Anhänge ist jedoch Voraussetzung, um die Praxistauglichkeit der Bemessungsnormen im Bauwesen sicherstellen zu können.
  • Komplexität und Softwareabhängigkeit
    Die Regelungen der Eurocodes sind lang, komplex und auch inhaltlich widersprüchlich, so dass eine manuelle Überprüfung der durch Computerprogramme durchgeführten Berechnungen (Bsp. Statik) nicht mehr möglich ist. Je nach verwendeter Software, kommt man zu unterschiedlichen Berechnungsergebnissen. Eine Einhaltung der Normen ist somit praktisch mit einem hohen Unsicherheitsfaktor verbunden. Die Eurocodes sind im Übrigen so detailliert, dass schon kleine Änderungen einzelner Parameter oder Werte zum „Zusammenbruch“ der gesamten Berechnungen führen.
  • Zivilrechtliche Haftungsrisiken für den Auftragnehmer
    Durch die Einführung der Eurocodes als Normen in Deutschland wird einerseits die (nur widerlegbare) Vermutung begründet, dass diese Regeln den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Zur Vermeidung zivilrechtlicher Haftung wird der Anwender gezwungen, sich bei der Einführung neuartiger Bau- und Berechnungsverfahren einen Überblick über diese neuen Erkenntnisse zu verschaffen und gleichzeitig zu prüfen, ob diese Neuerungen tatsächlich schon den Anforderungen an anerkannte Regeln der Technik entsprechen. Ist dies nicht der Fall und wendet der Auftragnehmer sie dennoch an, liegt ein Mangel vor. In der Konsequenz bedeutet dies, dass dem Auftragnehmer das Risiko der Beurteilung der Eurocodes auferlegt werden würde, obwohl diese nach den o.g. Ausführungen unvollständig und praxisuntauglich sind. Hierbei handelt es sich um eine nicht hinnehmbare rechtliche Konsequenz. Denn der Auftragnehmer kann nicht für die Einhaltung von Pflichten haften, die er in seinem vertraglichen Verantwortungsbereich nicht steuern kann.