Dr. Reiner Götzen

Die inhabergeführte Firmengruppe INTERBODEN ist seit über 65 Jahren am Immobilienmarkt tätig. Die INTERBODEN Gruppe plant, realisiert und verwaltet Projekte im Wohnungs- und Gewerbebau und versteht sich als ganzheitlicher Architektur- und Dienstleistungsbauträger. Markenzeichen sind innovative Lebens-, Arbeits- und Einkaufswelten, mit denen das Unternehmen in der Branche Standards setzt. Insgesamt hat das Unternehmen seit 1950 rund 420.000 Quadratmeter Bauvolumen geplant und realisiert. Allein in den letzten drei Jahren stellte INTERBODEN über 500 Wohneinheiten fertig. Fast 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten im eigenen Bürogebäude in Ratingen.

Herr Dr. Götzen, seit 1982 ist die Unterboden Gruppe Mitglied im BFW NRW, das Jahr, in dem auch Sie ins väterliche Unternehmen eintraten und 1995 die Geschäftsführung übernahmen. Was bedeutet Verbandsarbeit für uns und was zeichnet diese Arbeit aus?

Dr. Götzen: Mit einem starken Verband wie dem BFW werden unsere Interessen in der Baupolitik sowohl auf Landes- und Bundesebene adäquat platziert. Verbandsarbeit sollte aus einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung heraus zwischen Politik und Praxis vermitteln und praxisorientierte Lösungen, Entscheidungen und Gesetze erarbeiten und erhalten. Gemeinsame Ziele der Immobilienbranche werden so prominent vertreten und oftmals umgesetzt. Verbandsarbeit bedeutet aber auch den Erfahrungsaustausch innerhalb der Branche zu fördern und die Bildung von Netzwerken zu unterstützen, damit aktuelles Wissen weitergeben wird.

Welches Projekt würden Sie derzeit gern hervorheben?

Dr. Götzen: Alle zurzeit in der Realisierung befindlichen Projekte haben ihren eigenen Reiz und sind aus unterschiedlichen Aspekten spannend. Besonders hervorheben möchte ich im Moment unser Engagement im Düsseldorfer Medienhafen. Hier sind wir aktuell mit drei Projekten vertreten: ein Objekt an der Hammer Straße 27, ein Projekt an der Speditonstraße und dem Kaispeicher. Mit dem Kaispeicher haben wir eine der letzten denkmalgeschützten Landmarkimmobilien im Düsseldorfer Medienhafen erworben. Der frühere Unternehmenssitz von Haen-Carstanjen & Söhne wird bis Ende 2018 revitalisiert. Nach aufwändiger Sanierung sollen in den drei Oberschossen auf etwa 3.000 Quadratmetern repräsentative Bürolandschaften entstehen. Im Erdgeschoss ist Gastronomie geplant.

Beim zweiten Projekt im Medienhafen an der Hammer Straße ist eine Nutzung mit Einzelhandel oder Gastronomie und Service-Apartments geplant.

Das Projekt an der Speditionstraße ist ein ganz besonderes Projekt, weil es das erste Holzhybridhaus in Düsseldorf ist, bei dem möglichst viele Baustoffe und Ausstattungen recycelt sind oder wiederverwertet werden können. Außerdem wird das Gbeäude einen Mobilitäts-Hub für den ganzen Stadtteil beherbergen.

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Dr. Götzen: Auf unser größtes Projekt im Düsseldorfer Stadtviertel Le Quartier Central: Quartis Les Halle und le flair. Auf dem Gelände des ehemaligen Derendorfer Güterbahnhofs sind in den letzten Jahren mehr als 1.000 Wohnungen entstanden. Damals sind wir als Pionier auf dem rund 700 m langen Gelände gestartet. Selten hat man die Gelegenheit, eine solche Quartiersentwicklung mit stadtbildprägendem Charakter umzusetzen. In diesem Bauvorhaben konnten wir zahlreiche Einzelthemen unserer nachhaltigen, zusammenschauenden Projektentwicklung realisieren: Das in moderner Architektursprache umgesetzte Quartier wurde von unterschiedlichen Architekten geplant, sodass jedes Haus ein Unikat ist und sich die Neubebauung in die historisch gewachsenen Umgebung einfügt. Wir haben unterschiedliche energieeffiziente Konzepte umgesetzt inklusive Geothermie. Ein weiterer wichtiger Baustein des Projektes ist der Service und das Vorhalten von Gemeinschaftsflächen. Im täglich besetzten Service-Point können Bewohner haushaltsnahe Dienstleistungen buchen, Gästeapartments oder Besprechungsräume anmieten und ihre Pakete abholen. Mittlerweile wurde der Service-Point durch eine digitale Komponente erweitert. Die Quartiersapp optimiert die Kommunikation, den Service und die Information zwischen Bewohnern und Immobilienunternehmen.

Vor welchen aktuellen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen?

Dr. Götzen: Wir wollen unsere ganzheitlichen, kundenorientierten Projektkonzepte weiter ausbauen. Dazu gehört insbesondere das übergreifende, verzahnte Miteinander von den unterschiedlichen Aufgabenbereichen wie Projektentwicklung, Baurealisation, Kundenbetreuung, Immobilienverwaltung und Service. Dabei gilt es die wechselseitigen, z.T. vorurteilsbehafteten Einstellungen von Kunden- und Entwicklerseite ebenso zu berücksichtigen und zu überwinden wie rechtliche Regelungen, die den gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an unterschiedliche Wohnformen nicht immer gerecht werden.

Was würden Sie gerne einmal bauen/entwickeln?

Dr. Götzen: Eine Kinderstadt. Ein Quartier, das die Kinder im Fokus hat – und zwar nicht allein die Kinder aus traditionellen Familienstrukturen, sondern auch Kinder von Alleinstehenden oder aus anderen alternativen Lebnszusammenhängen. Eine Nachbarschaft mitten in der Großstadt, die Kindern einen gesicherten, geschützten Raum bietet. Die Kinderstadt signalisiert den Aufbruch eines Viertels verbunden mit der Renaissance lebenswerter Außenräume – eine Wiedergeburt der Stadt.