Henning Kalkmann

Henning Kalkmann

Henning Kalkmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Kalkmann Wohnwerte GmbH & Co. KG, wurde 1995 auf dem BFW Landesverbandstag in Baden-Württemberg in den Landesvorstand gewählt. Seit 2010 ist der studierte Betriebswirt Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes und wurde im April 2016 für weitere drei Jahre in dieser Funktion wiedergewählt.

Von Juni 1998 bis Juni 2004 war Kalkmann zusätzlich Vorstandsmitglied des BFW Bundesverbandes  und gehört seit 2010 dem erweiterten Bundesvorstand an. Kalkmann ist bereits im Studium mit der Wohnungsbranche in Kontakt gekommen und seit seinem Abschluß 1983 selbständig tätig. Er verfügt über eine entsprechende Expertise im Bereich der Projektentwicklung und Realisierung sowohl im Neubau als auch bei denkmalgeschützten Objekten. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt heute in Heidelberg und der Metropolregion Rhein-Neckar, seine Unternehmen haben zudem mit Vorhaben unter anderem in Berlin, Dresden, Köln und auf Mallorca auch über die Grenzen hinaus die Erfahrung von mehreren tausend Wohneinheiten sammeln können. Der gebürtige Hamburger ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt seit 1975 in Heidelberg.

 

1.    Sie sind seit 1995 Mitglied und seit über 20 Jahren in Vorstandspositionen beim BFW engagiert. Was bedeutet Verbandsarbeit für Sie?

Gespräche mit Kollegen, Erkennung von Trends, Vermittlung von Fachwissen und die Wahrnehmung der beruflichen Interessen auf politischer Ebene. Bei allem spielt ein funktionierendes Netzwerk eine große Rolle.

Das erstgenannte ist mir am wichtigsten: der vertrauensvolle Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen über unsere täglichen Themen von der Grundstücksbeschaffung bis zur Vermarktung und Nachbetreuung unserer Objekte. Dabei spielen auch Lerneffekte, die wir aus abgeschlossenen Projekten mitnehmen können, eine wichtige Rolle. Aus diesem Austausch ergeben sich regelmäßig Gemeinsamkeiten aus dem Umgang mit Behörden, Kunden und Geschäftspartnern, die wir untereinander besprechen und künftig teilweise verbessern und optimieren können.

Zahlreiche Hinweise und Anregungen aus diesen Gesprächen nehmen wir zum Anlass, unseren Mitgliedern im Rahmen der Verbandstage, in Form von Seminaren, Baustellentreffen etc. zu helfen oder die Themen bei den politischen Gremien vorzustellen. Meist bezieht sich das Unverständnis auf immer mehr Gesetze, Gesetzesänderungen, Vorschriften und deren Verschärfungen, die sich die Politik auf Bundesebene bis hin zu den Kommunen einfallen lässt: Denn es werden immer mehr Hürden auf dem Weg errichtet, bis wir endlich einmal bauen können. Da setzen wir dann z. B. bei unseren politischen Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung an.

Die sich immer restriktiver entwickelnde Rechtsprechung ist ein weiterer wichtiger Bereich, bei dem wir unseren Mitgliedern durch entsprechende Beratung erste Unterstützung geben. Insgesamt betrachtet ist also die regionale und überregionale Wahrnehmung von beruflichen Interessen das bedeutende Thema.

2.    Welches Ihrer Projekte würden Sie derzeit gerne hervorheben?

Das KurfüstenCarré in Heidelberg: eine zentrale innerstädtische Maßnahme mit zahlreichen Herausforderungen bezüglich der Nutzung (Gewerbe/KITA/Wohnen) und Umsetzung des von der Stadt geforderten Baulandmanagements mit einem erheblichen Anteil von preisgebundenen Wohnungen.

3.    Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?

Auf unser Bürogebäude, das wir vor einigen Jahren aus dem Dornröschenschlaf erweckt haben und das mit den benachbarten Anwesen verbundene Denkmal-Ensemble, das in Kürze eine weitere Aufwertung durch uns erfahren wird.

4.    Was würden Sie gerne einmal bauen/entwickeln?

Bei meinen seltenen Besuchen in Holzhäusern war ich jedes Mal überrascht von der (Wohlfühl-) Atmosphäre und der Qualitätsanmutung. Gerne würde ich einmal Null- oder Geringverbrauchs-Häuser (und das freiwillig) in Holzbauweise mit entwickeln und realisieren.

5.    Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und Ihr Unternehmen gerade?

Die Grundstücksbeschaffung und die damit häufig durch Wettbewerbe verbundene Vergabe ist heute die größte Herausforderung. Anfangs habe ich das noch sportlich gesehen: möge der Beste gewinnen. Inzwischen habe ich ganz erhebliche Zweifel an diesen oft intransparenten Verfahren. Nur ein Beispiel zum Thema “Vorgaben”: die meisten Wettbewerbe geben einen teilweise strikten Rahmen vor, was die Dichte betrifft. Und da gibt es immer wieder Teilnehmer, die sich darum nicht scheren und trotzdem gewinnen. Der Ehrliche ist auch hier oft der Dumme.

Andererseits spielt der Preis eine ganz entscheidende Rolle. Wie oft sind wir schon überboten worden von neu auf den Markt drängenden Mitbewerbern, die nach einigen Jahren wieder verschwunden sind, weil sie sich verspekuliert haben. Unser Problem damit ist, dass die ohnehin raren Grundstücke damit noch seltener zu bekommen sind.

Und die nächste Herausforderung ist das Wunschkonzert der Politik mit ihrer Regulierungswut und den teils unnötig überhöhten Forderungen zu den Themen Schallschutz, Energiesparmaßnahmen etc. etc.

6.    Welche Vision haben Sie für die Branche?

In den vergangenen Jahren hat unsere Branche zunächst durch die Sorge um den Euro und die damit verbundene Flucht in die Immobilie einerseits und die historisch niedrigen Zinsen andererseits eine Sonderkonjunktur erlebt. Das hat nicht zuletzt die Politik zum Anlass genommen, ihre Anforderungen immer höher zu treiben, die i.d.R. zu erheblichen Mehrkosten geführt haben. Im Zusammenhang mit stetig steigenden Grundstückspreisen hat das zu immer höheren Projektvolumina geführt – gegenläufig zu dieser Entwicklung habe ich den Eindruck, dass unsere Akzeptanz in der Öffentlichkeit und der Politik eher niedriger als höher geworden ist. Und das, obwohl wir auch in Zeiten guter Verkäufe hohe Risiken eingehen – beim Mittelstand, den wir ja sehr häufig vertreten, bis in den privaten Bereich hinein. Trotzdem sind viele Verantwortliche der Meinung, wir sind die Melkkuh der Nation und der Begriff “Investor” ist in unsere Branche inzwischen häufig ein Reizwort.

Ich wünsche mir darum, dass wir wieder die Anerkennung oder zumindest Akzeptanz erfahren, die wir verdienen: Denn wer spricht schon darüber, dass wir mit der Erfüllung des Grundbedürfnisses Wohnen einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität aller Menschen beitragen? Oder in der Baubranche viel mehr Menschen ihr tägliches Brot verdienen als zum Beispiel in der Automobilindustrie, die von der Politik wesentlich mehr Unterstützung erfährt?

7.    Was treibt Sie an?

Bei uns ist kein Tag wie der andere: Die ständig neuen Herausforderungen zu bewältigen, schafft natürlich auch eine Zufriedenheit – ganz besonders, wenn man dies und die Freude an der Arbeit gemeinsam mit engagierten Menschen um sich herum erleben kann. Das und der Ehrgeiz, unseren Kunden hohe Wohnqualitäten zu bieten, treibt mich an.

8.    Auf welche persönliche Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich habe nichts geerbt, alles selbst erschaffen.

9.    Wie entspannen Sie sich am besten?

Beim Segeln mit der Familie oder mit Freunden! Wenn die Leinen los sind, kann und muss man sich mit anderen elementaren Dingen beschäftigen – besseres und schöneres Abschalten kenne ich nicht.

10.  Mit wem würden Sie sich gerne einmal unterhalten?

Mit Frau Dr. Barbara Hendricks. Ich denke, es kann ihr nicht oft genug auch von der Basis aus mitgeteilt werden, was die Branche leistet und wie man im Miteinander die Anforderungen unserer Zeit bewältigt.