Peter Jorzick

Peter Jorzick ist Gründer der inhabergeführten HAMBURG TEAM Gruppe, zu der heute neben der 1997 gegründeten Gesellschaft für Projektentwicklung auch zwei weitere Gesellschaften für das Investment Management und das Property Management gehören. HAMBURG TEAM ist mit umfangreichen Projekten nicht nur in Hamburg und Berlin (eigene Niederlassung) engagiert, sondern deutschlandweit ausgerichtet. Schwerpunkt der Arbeit in der Projektentwicklung ist die Konzeption von Wohnungsbauten, oft im Rahmen größerer nutzungsgemischter Quartiersentwicklungen. Das Unternehmen hat 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Arbeitsergebnisse wurden wiederholt mit Preisen für hervorragende Hochbau- und städtebauliche Qualität ausgezeichnet.

  1. Hamburg Team ist seit 2006 Mitglied beim BFW und Sie selbst engagieren sich als stellvertretender Vorsitzender seit 2014 im Vorstand des BFW-Nord. Was bedeutet Verbandsarbeit für Sie?

Die Verbandsarbeit liefert uns Unternehmern die Möglichkeit, unsere Interessen auf Landes- und Bundesebene zu vertreten und in einem kontinuierlichen Dialog mit der Politik zu stehen. Für den Standort Hamburg kommt darüber hinaus noch der spezielle Fall des „Bündnis für das Wohnen“ hinzu, das 2011 zwischen Vertretern der Wohnungswirtschaft und der Stadt geschlossen wurde und bei dem Politik, Verwaltung und Unternehmen gemeinsam an der Schaffung von neuem Wohnraum in Hamburg arbeiten. Dieser Zusammenschluss ist eine regionale Besonderheit und wirkt sich positiv auf unsere Arbeit hier am Standort Hamburg aus.

2. Welches Ihrer Projekte würden Sie derzeit gerne hervorheben?

Da gäbe es natürlich mehrere zu nennen… Ein sehr schönes Projekt, das auch gerade in der Branche besondere Aufmerksamkeit genießt, ist der Puhlmannhof in Berlin. Im November 2017 wurde er mit Gold beim FIABCI Prix d’Excellence Germany ausgezeichnet, und jetzt ist er gerade als eins von insgesamt drei deutschen Projekten für den MIPIM Award in der Kategorie „Best Urban Regeneration Project“ nominiert. Diese Anerkennungen unserer Arbeit freuen uns natürlich. Der Puhlmannhof liegt zwischen Kastanienallee und Schönhauser Allee im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das Grundstück wurde jahrzehntelang als Parkplatz genutzt. Gemeinsam mit Grüntuch Architekten haben wir ein Konzept entwickelt, dem die Idee eines Weiterbauens der typischen Berliner Höfe zugrunde liegt. Um einen neu entstandenen Innenhof, der sich zur Kastanienallee öffnet, sind fünf Gebäude angeordnet, drei Wohngebäude und zwei Gewerbegebäude. In den Erdgeschossen entstanden 10 neue Ladenflächen. Mit dieser Mischung haben wir das Neubauvorhaben optimal in den Kiez eingepasst, neuen Wohn- und Arbeitsraum geschaffen und aus einem „toten Grundstück“ ein neues Stück lebendige Stadt gemacht.

3. Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?

Die Quartiersentwicklung Quartier 21 in Hamburg-Barmbek ist für mich ein besonders gelungenes Projekt. Dabei handelt es sich um die Revitalisierung eines ehemaligen Pavillonkrankenhauses, das Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Dort haben wir 21 denkmalgeschützte Gebäude saniert und mit Neubauten ergänzt. Entstanden sind etwa 580 Wohneinheiten als Mietwohnungen und als Eigentum und etwa 42.000 qm Gewerbefläche für Einzelhandel, Fitness, Gesundheit, Gastronomie, ein Seniorenpflegeheim und Büros. Unter Erhaltung der schönen alten Parkanlage haben wir das Areal, das ehemals durch eine umlaufende Mauer vom Umfeld abgetrennt war, wieder an den Stadtteil angeschlossen. Entstanden ist ein Quartier zum Wohnen und Arbeiten, das sich in den Stadtteil öffnet und dort neue Impulse gesetzt hat.

4. Was würden Sie gerne einmal bauen/entwickeln?

Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit dem Thema preisgedämpfter Mietwohnungsneubau, ein Segment, in dem es zu wenig Angebote auf dem Wohnungsmarkt gibt. In Hamburg arbeiten wir gerade im Stadtteil Hamm-Süd zusammen mit einem öffentlichen Wohnungsunternehmen an einem Projekt, bei dem preiswerte Wohnungen speziell auch für Familien bei gleichzeitiger Schaffung entsprechender Infrastrukturen wie Kita, Schule und Sportstätten entstehen sollen. In unmittelbarer Nähe hatten wir in 2014 die Hansaterrassen, ein Projekt mit Eigentumswohnungen und frei finanziertem Mietwohnungsbau, realisiert. Ich würde mich freuen, wenn wir dort nun einen ersten Baustein im Segment preisgedämpfter Mietwohnungsbau realisieren könnten.

5. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und Ihr Unternehmen gerade?

Hamburg Team ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Zu der Projektentwicklung ist 2015 ein eigenes Unternehmen für das institutionelle Investorengeschäft, die Hamburg Team Investment Management  GmbH, gekommen und in diesem Jahr haben wir, gemeinsam mit einem anderen Unternehmen, die Hamburg Team Property Management mbH gegründet.  Dieses Wachstum, das aus strategischer Sicht dazu dient, die gesamte Immobilien-Wertschöpfungskette abzubilden, bedeutet intern eine Menge Veränderungen, die mit einem wachsenden Team und sich verändernden Strukturen und Arbeitsprozessen einhergehen. Neben dem Alltagsgeschäft ist daher in 2018 die Konsolidierung der neuen Gruppenstruktur für uns ein wichtiges Thema.

6. Welche Vision haben Sie für die Branche?

Ich glaube, die Branche muss sich noch mehr darüber klar werden, dass sie eine große Mitverantwortung für die Entwicklung unserer Städte trägt. Heute in städtischen Strukturen Wohnungsbau zu betreiben, heißt Stadtentwicklungsprojekte in Angriff zu nehmen. Dazu gehören u.a. Themen wie Energieeffizienz, sozialer Ausgleich, funktionale Durchmischung und Mobilitätskonzepte. Das ist ein multimodaler Ansatz, der sich z. B. bei den reinen Gewerbeentwicklern, aber auch bei vielen anderen großen Wohnungsbauunternehmen noch nicht so richtig durchgesetzt hat. Es wäre wünschenswert, wenn die gesamte Immobilienbranche diese Mitverantwortung sieht und übernimmt. Wir befinden uns heute doch in einer sehr viel intensiveren Auseinandersetzung mit Politik und Verwaltung und müssen uns zudem auch noch um die öffentliche Kommunikation, um Partizipation kümmern. Die Verbandsarbeit ist hier ein wichtiger Angelpunkt für die vielen verschiedenen Themen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen und für die Entwicklung gemeinsamer Vorgehensweisen.

7. Was treibt Sie an?

Als Unternehmer hat man die Möglichkeit, Dinge mit zu gestalten, d.h. nicht nur den eigenen Unternehmenszweck zu erfüllen, sondern darüber hinaus an Themen mitzuwirken, die die Gesellschaft bewegen. Ein für uns bestimmendes Thema ist, wie wir unter den gegebenen Bedingungen guten und qualitätsvollen Wohnungsbau herstellen können, der gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Themen wie Digitalisierung, neue Wohnformen usw. integriert. Auf diesem Feld entwickeln wir neue Produkte, versuchen zeitgemäße neue Konzepte zu entwerfen, bauen Stadtstrukturen weiter. Diesen Gestaltungsraum als Unternehmer zu haben, empfinde ich als großes Privileg.

8. Auf welche persönliche Leistung sind Sie besonders stolz?

1989 war ich aktiv an der Gründung der steg Stadterneuerungsgesellschaft in Hamburg beteiligt, deren Geschäftsführer ich bis 1997 war. Die steg wurde als städtischer Sanierungsträger gegründet und ist heute privatisiert. Sie kann mit Fug und Recht als Deutschlands innovativster Sanierungsträger gelten. Sie macht eine vorbildliche Arbeit in den Bereichen der sozialen Teilhabe, der Betreuung komplizierter städtebaulicher Rekonstruktionen (wie z.B. der „Gängeviertel“-Sanierung in Hamburg), bei Quartiers- und Stadtentwicklungskonzepten, ist Berater der Stadt. Heute besitzt sie eine zweite Niederlassung in Dortmund. Das Fundament für dieses Unternehmen gelegt zu haben und Anteil an seiner erfolgreichen Entwicklung gehabt zu haben, das macht mich stolz.

9. Wie entspannen Sie sich am besten?

Ich versuche, regelmäßig Zeit für meine Sporteinheiten zu finden. Beim Joggen habe ich manchmal die besten Ideen. Gute Entspannung finde ich in der Natur, z. B. beim Wandern in den Bergen.